Die rätselhafte Geschichte um einen Schweizer Terroristen.

Bruno Breguet, ein 1950 geborener Tessiner Gymnasiast aus Minusio, glaubte, die Welt mit Waffengewalt verändern zu müssen. 1970 macht er Schlagzeilen, als er als 19-Jähriger zwei Kilo Sprengstoff nach Israel schmuggeln wollte und bei der Einreise in Haifa verhaftet wurde. Den Sprengstofftransport hatte Breguet im Auftrag der Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) durchgeführt, einer marxistisch-leninistisch ausgerichteten palästinensischen Terrorgruppe, der er sich anschliessen wollte. Er verbrachte sieben Jahre in israelischen Gefängnissen, kam 1977 frei und kehrte in die Schweiz zurück. Den Palästinenser:innen und ihrem Kampf fühlte er sich weiter verbunden. 1979 tauchte er ab und schloss sich der Terrorgruppe des Venezolaners Ilich Ramírez Sánchez an, besser bekannt als Carlos. Danach verliert sich Breguets Spur; seit November 1995 gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm. Die These des Historikers Adrian Hänni, Breguet habe die Seiten gewechselt und sei deshalb von ehemaligen Kampfgefährt:innen umgebracht worden, ist für Regisseur Olmo Cerri lediglich eine von mehreren Möglichkeiten für dessen Verschwinden. Der Fall bleibt rätselhaft, und Cerri lässt am Ende seiner spannend wie ein Thriller gestalteten Spurensuche bewusst vieles offen. Anlässlich der Weltpremiere im Januar an den Solothurner Filmtagen schrieb Hannah Plüss in der WOZ: “”La scomparsa di Bruno Breguet” ist ein filmischer Essay. Der filmische Raum öffnet sich für all die Unsicherheiten und Zweifel, nicht nur rund um die Person Breguet, der letztlich ein Unbekannter blieb, sondern auch rund um Gewalt in all ihren Formen. “Wir sind alle ambivalent und haben zwei Seiten”, sinniert eine Weggefährtin. Ein anderer positioniert sich deutlicher: “Für diejenigen, die die Welt verändern wollen, ist der Terrorismus eine menschlich und politisch inakzeptable Lösung.” Aber bevor man jemanden wie Bruno verurteile, müsse man auch die Gegenseite der Gewalt kennen. “Die Gewalt, die schon da ist, die Gewalt derer, die an der Macht sind.””

Nach der Premiere am 13. Juni findet ein Podiumsgespräch mit Regisseur Olmo Cerri, Anwalt Marcel Bosonnet und Filmemacher Christian Labhart statt. Das Gespräch führt Saiten-Redaktorin Corinne Riedener.